Tri­go eröffnet den ersten autonomen Lebens­mit­tel­laden in Berlin für den deutschen Super­mark­triesen REWE.

EuroShop 2023: Sind autonome Geschäfte die Zukunft des Einzelhandels?

Kassen­lose Geschäfte: Der Wan­del ist eingeläutet

Der Lebens­mit­tel­han­del macht es vor – und eventuell ist es zumin­d­est für Fre­quen­zartikel im Ein­rich­tung­shan­del eben­falls eine inter­es­sante Option, sich mit automa­tisierten Store-Konzepten auseinan­derzuset­zen. Das Per­son­al, das an der Kasse nicht einge­set­zt wer­den muss, kann dann näm­lich dort sein, wo die Notwendigkeit meist am größten ist: in der Beratung. Auf der Euroshop, der führen­den Messe für Retail-Tech­nolo­gie, wer­den die neuar­ti­gen Store-Konzepte live zu erleben sein.

 

Die in den let­zten Jahren mit hoher Geschwindigkeit voran­schre­i­t­ende Dig­i­tal­isierung der Han­dels­branche hat auch dazu geführt, dass sta­tionäre Geschäfte mit immer mehr tech­nol­o­gis­ch­er Intel­li­genz aus­ges­tat­tet wer­den. So haben sich vielfältige automa­tisierte Store-Konzepte entwick­elt, bei denen der Einkaufsvor­gang weitest­ge­hend dig­i­tal­isiert abläuft. Deshalb ist das The­ma Smart Stores Stores eines der Hot-Top­ics der EuroShop 2023, The No.1 Retail Trade Fair, vom 26. Feb­ru­ar bis 02. März in Düsseldorf.

Es ist fast 40 Jahre her, dass der Erfind­er David R. Hum­ble auf die Idee der Selb­st­be­di­enungskasse kam, nach­dem er ange­blich in ein­er lan­gen Schlange in einem Lebens­mit­telgeschäft in Süd­flori­da ges­tanden hat­te. Seit­dem hat sich die Tech­nolo­gie mas­siv weit­er­en­twick­elt und ist in immer mehr Einzel­han­dels­geschäften zu find­en. Laut dem Bericht Glob­al EPOS and Self-Check­out 2022 des Strate­gieforschungs- und Beratung­sun­ternehmens RBR wuchs der Welt­markt im ver­gan­genen Jahr um 11 Prozent, wobei im Jahr 2021 weltweit 200.000 Selb­st­be­di­enungs­geräte aus­geliefert wur­den. Die Tech­nolo­gie ver­spricht enorme Vorteile, wie kürzere Wartezeit­en für die Kun­den und Kundin­nen und eine verbesserte Effizienz der Geschäfte für die Einzel­händler, aber wie bei den meis­ten Din­gen ist sie nicht ohne Makel.

Ist der Einzel­han­del auf dem Weg in eine rei­bungslosere Zukun­ft, wenn Unternehmen wie Ama­zon vol­lau­toma­tis­che Läden ein­richt­en, in denen die Kund­schaft den Kassier­vor­gang ganz über­sprin­gen kann? „Die Zeit­en des 20. Jahrhun­derts, in denen jed­er einzelne Artikel langsam über einen Bar­code-Scan­ner ges­can­nt wurde, sind vor­bei“, erk­lärt Will Glaser, CEO des US-Unternehmens Gra­band­go. „Der Käufer ist in der Lage, das Geschäft zu wählen, das er auf­grund von Preis und Kom­fort bevorzugt.“

2018 sorgte der Online-Han­del­sriese Ama­zon für Schlagzeilen, als er in sein­er Heimat­stadt Seat­tle seinen ersten kassen­losen Laden eröffnete, der mit der „Just Walk Out“-Technologie des Unternehmens aus­ges­tat­tet ist. Heute gibt es mehr als 40 Ama­zon Go- und Ama­zon Fresh-Stan­dorte in den USA und Großbri­tan­nien, und weit­ere sollen weltweit eröffnet wer­den. Das so genan­nte “Just Walk Out”-Einkaufserlebnis nutzt die gle­ichen Tech­nolo­gien wie selb­st­fahrende Autos, ein­schließlich Com­put­er Vision, Deep Learn­ing-Algo­rith­men und Sen­sor­fu­sion, und ermöglicht es den Kun­den und Kundin­nen, den Laden zu betreten, das Gewün­schte zu nehmen und zu ver­lassen. Während Ama­zon laut RBR derzeit weltweit die meis­ten kassen­losen Läden betreibt, exper­i­men­tieren auch andere Super­mark­tket­ten wie Tesco, ALDI und REWE mit Tech­nolo­gien, die das Einkauf­ser­leb­nis im Laden erle­ichtern sollen. RBR prog­nos­tiziert, dass es bis Ende 2027 weltweit mehr als 12.000 Geschäfte mit kassen­los­er Tech­nolo­gie geben könnte.

„Der physis­che Einzel­han­del befind­et sich in einem beispiel­losen Wan­del. Einzel­händler investieren in großem Umfang in Tech­nolo­gien, um ihre Läden umzugestal­ten, den Shop­pern einen rei­bungsloseren Einkauf zu ermöglichen und die steigen­den Arbeit­skosten und den Arbeit­skräfte­man­gel in eini­gen Märk­ten auszu­gle­ichen“, sagt Alex Maple, der die RBR-Studie Mobile Self-Scan­ning and Check-Out Free 2022 geleit­et hat. „Im All­ge­meinen sind Einzel­händler immer bestrebt, das Kun­den­er­leb­nis zu verbessern und gle­ichzeit­ig die Kosten zu senken“, so Maple weit­er. „Der zunehmende Ein­satz von Self-Check­out-Ter­mi­nals zum Beispiel zeigt, dass Einzel­händler gerne Tech­nolo­gie ein­set­zen, wenn sie dadurch die Per­son­alkosten senken und die Zahl der Verkauf­sstellen erhöhen kön­nen, indem sie den Kun­den und Kundin­nen neue, bequeme Möglichkeit­en bieten, den Kassier­vor­gang abzuschließen. Eine erfol­gre­iche Imple­men­tierung der kassen­losen Tech­nolo­gie würde die Geschäfte von der Konkur­renz abheben, die Per­son­alkosten (möglicher­weise erhe­blich) senken, den Waren­schwund reduzieren (was ein poten­zielles Prob­lem bei Self-Check­out/­Mo­bile Self-Scan­ning ist) und der Kund­schaft ein rei­bungslos­es Erleb­nis“ bieten. „Die Bequem­lichkeit ist ein­er der Haupt­gründe, warum die Tech­nolo­gie in kleinen Geschäften an stark fre­quen­tierten Orten gut funk­tion­iert”, so Maple. “Auch die Pan­demie hat die kassen­lose Tech­nolo­gie für einige attrak­tiv­er gemacht, da sie den men­schlichen Kon­takt min­imiert und als hygien­is­chere Art des Einkaufens ange­se­hen wer­den könnte.“

Vor einem Jahr (Okto­ber 2021) eröffnete die größte britis­che Super­mark­tkette Tesco ihren ersten kassen­losen Laden im Zen­trum Lon­dons, nach­dem sie zuvor einen Ver­such am Haupt­sitz des Unternehmens in Wel­wyn Gar­den City durchge­führt hat­te. Tesco hat sich mit dem israelis­chen Com­put­er-Vision-Start-up-Unternehmen Tri­go zusam­menge­tan, um die Easy­Out-Tech­nolo­gie in sein­er „GetGo“-Filiale in High Hol­born zu instal­lieren, so dass die Kund­schaft mit der Tesco.com-App in der Fil­iale eincheck­en, die benötigten Lebens­mit­tel abholen und direkt wieder gehen kön­nen, ohne eine Kasse zu besuchen. Durch die Kom­bi­na­tion von Kam­eras und Gewichtssen­soren wird fest­gestellt, was die Kun­den und Kundin­nen eingekauft haben, und dann direkt über die mobile App abgerech­net, wenn sie das Geschäft verlassen.Kürzlich arbeit­ete Tri­go mit der deutschen Super­mark­tkette REWE Group zusam­men, um seinen zweit­en autonomen Hybrid-Lebens­mit­tel­markt in Berlin zu eröffnen.

Kassen­freier Tesco-Markt “Get­Go” in High Hol­born, Lon­don, Großbritannien.

Außer­dem hat Tri­go mit ALDI Nord an einem KI-ges­teuerten kassen­losen Dis­counter in Utrecht (Nieder­lande) gear­beit­et. „Die Lösung von Tri­go hat einen zwei­seit­i­gen Nutzen“, erk­lärt Shay Ziv, VP Mar­ket­ing des Unternehmens. „Für die Shop­per sparen wir Zeit und verbessern das Einkauf­ser­leb­nis, indem wir die Kassen­schlangen abschaf­fen und ein naht­los­es Einkauf­ser­leb­nis schaf­fen. Für Einzel­händler mod­ernisieren wir die Arbeitsabläufe, indem wir Kosten für den Laden­be­trieb eins­paren und die Effizienz steigern. Unsere Lösung wirkt sich auch direkt auf das Endergeb­nis aus, da sie den Waren­schwund reduziert und dazu beiträgt, dass der durch­schnit­tliche Einkauf­sko­rb größer wird.“

Aldi Shop&Go Konzept­markt in Green­wich, Lon­don, Großbritannien.

Anfang des Jahres eröffnete ALDI auch eine kassen­lose Fil­iale in Großbri­tan­nien, die eine KI-gestützte Lösung des Tech­nolo­giean­bi­eters AiFi nutzt. Wie bei den anderen Fil­ialen kön­nen die Kun­den und Kundin­nen auch bei ALDI Shop&Go ihren Einkauf abschließen, ohne ein einziges Pro­dukt zu scan­nen oder eine Kasse passieren zu müssen. Die Fil­iale nutzt sog­ar die Gesicht­serken­nung­stech­nolo­gie von Yoti, um den Kauf von Alko­hol zu genehmi­gen (wer das Sys­tem nicht nutzen möchte, dem ste­hen Mitar­beit­er der Fil­iale bere­it, um das Alter zu über­prüfen). In den USA hat der Buch- und Schreib­waren­händler WH Smith seinen ersten kassen­losen Laden am LaGuardia Air­port in New York eröffnet, der die Just Walk Out-Tech­nolo­gie von Ama­zon nutzt.

Laut Rebec­ca Hobbs von der Trend­forschungsagen­tur Sty­lus gibt es mehrere treibende Kräfte, die das Wach­s­tum der autonomen Geschäfte anführen, abge­se­hen von der schieren Geschwindigkeit und dem Kom­fort, die nor­maler­weise als Hauptvorteile ange­se­hen wer­den. „Der größte Vorteil für die Ver­brauch­er beste­ht darin, dass die Marken in der Lage sind, Online- und Offline-Ver­braucher­dat­en leichter zusam­men­zuführen“, sagt sie. „Sie kön­nen ein Sys­tem ein­richt­en, bei dem sich die Ver­brauch­er in einem Kun­denkon­to anmelden müssen, um ein Geschäft zu betreten, so dass jed­er im Geschäft das­selbe Pro­fil hat wie online. Dies hil­ft ihnen, das Kaufver­hal­ten zu ermit­teln und Entschei­dun­gen über den Warenbe­stand und das Mer­chan­dis­ing zu tre­f­fen. „Diese Geschäfte kön­nen sog­ar fest­stellen, was ein Kunde mit­nimmt und was er wieder weg­wirft“, fügt Hobbs hinzu. „Wenn viele Kun­den und Kundin­nen einen Artikel in die Hand nehmen, ihn weg­w­er­fen und sich dann dafür entschei­den, das Pro­dukt online zu kaufen, wäre das eine Bestä­ti­gung für die Entschei­dung, das Pro­dukt im Geschäft zu haben, um es zu ent­deck­en. Dieses Maß an Kon­nek­tiv­ität wird den Auf­stieg des Omnichan­nel-Einzel­han­dels vorantreiben — ein Wort, das schon seit Jahren in aller Munde ist, aber mit dieser Art von Tech­nolo­gie erst richtig zur Gel­tung kom­men wird.“

John­ston ist der Ansicht, dass diese For­mate nicht nur die wirtschaftliche Aus­gren­zung, son­dern auch die Bedürfnisse eines bre­it­eren Spek­trums von Ver­brauch­ern und Einkauf­szie­len berück­sichti­gen müssen, ein­schließlich der Bedürfnisse der Ver­brauch­er nach Bar­ri­ere­frei­heit und Inklu­sion. „Gegen­wär­tig scheinen diese For­mate an die Überzeu­gung der Einzel­händler gebun­den zu sein, dass die Ver­brauch­er rei­bungslose Erfahrun­gen wün­schen“, sagt er. Ich befürchte, dass Einzel­han­dels­marken und ‑unternehmen, die sich auss­chließlich darauf konzen­tri­eren, ihrer Kund­schaft diese Art von rei­bungslosen Einkauf­ser­leb­nis­sen zu bieten, vergessen, dass viele Ver­brauch­er per­sön­liche Erleb­nisse wollen oder brauchen, die ein hohes Maß an men­schlichen und sozialen Inter­ak­tio­nen bein­hal­ten, die einen Mehrw­ert schaf­fen und ein hohes Maß an Ver­trauen und Loy­al­ität auf­bauen. „Darüber hin­aus wird es Men­schen geben (entwed­er aus demografis­chen Grün­den oder auf­grund ihrer Ein­stel­lung), die sich ein­fach nicht in jedem Geschäft, das sie betreten, dig­i­tal anmelden wollen“, argu­men­tiert Hobbs. „Ich sehe keine nahe Zukun­ft (inner­halb von fünf Jahren) voraus, in der jedes Geschäft automa­tisiert sein wird“, schließt Hobbs, „aber wenn diese Tech­nolo­gie bil­liger wird, die Ver­brauch­er sich darauf ein­stellen und die Ver­wen­dung von Bargeld weit­er zurück­ge­ht, wird sich die Entwick­lung sicher­lich beschleunigen.“

Den State-of the-Art und Inno­va­tio­nen rund um Smart Stores und Autonome Stores sind auf der EuroShop in der Dimen­sion Retail Tech­nol­o­gy in den Hallen 4, 5, 6 und 7a zu finden.

Weit­ere Informationen:
Die EuroShop 2023 ist für Fachbe­sucherin­nen und ‑besuch­er von Son­ntag 26. Feb­ru­ar bis Don­ner­stag 02. März 2023, täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Die Tageskarte kostet 70,- Euro, die 2‑Tageskarte 120,– Euro und die Dauerkarte 165,– Euro

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Autor:
Dr. Cor­nelia Jokisch, Senior Man­ag­er Mar­com (Press & PR)
Desisla­va Angelo­va, Man­ag­er Marcom
Tel.: +49 (0)211/4560–998/-242
Email: JokischC@messe-duesseldorf.de
AngelovaD@messe-duesseldorf.de

Bild­nach­weise:
Tesco: Zur Ver­fü­gung gestellt von Michael Jarvis, Cor­po­rate Com­mu­ni­ca­tions Man­ag­er, Tesco
Rewe: Link: https://www.trigoretail.com/newsroom/#press-releases // https://www.businesswire.com/news/home/20220628005595/en/Trigo-Launches-Berlin%E2%80%99s-First-Autonomous-Grocery-Store-for-German-Supermarket-Giant-REWE )
Aldi:
https://www.aldipresscentre.co.uk/business-news/aldis-checkout-free-concept-store-opens-for-public-testing/