
180 Millionen Euro für digitale Souveränität: Europa baut seine Cloud-Infrastruktur neu
vom 30. Juni bis 1. Juli 2026 findet auf dem Gelände der Messe Berlin die zweite Ausgabe der GITEX AI EUROPE statt – Europas branchenübergreifendes Technologieevent und Plattform für die Digitalwirtschaft. Veranstalter ist inD, globaler Organisator der GITEX, der weltgrößten Technologie- und KI-Messe.
Die Veranstaltung vereint mehr als 800 Unternehmen und Start-ups, 500 Investoren sowie 120 Referentinnen und Referenten aus über 100 Ländern. Das Themenspektrum reicht von Künstlicher Intelligenz, Quantencomputing und Cloud-Infrastruktur über Cybersicherheit bis hin zu Nachhaltigkeitstechnologien.
Unterstützt wird die Veranstaltung von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie.
Zu den bestätigten Speakerinnen und Speakern zählen:
- Dr. Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung der Bundesrepublik Deutschland
- Stefan B. Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW Bankengruppe
- Benjamin Merle, Chief Product Officer bei Enpal
- Ryan Foutty, Vice President Business bei Perplexity
- Dr. Jarek Kutylowski, Founder & CEO von DeepL
Mit North Star Europe – der europäischen Ausgabe des weltweit größten Start-up- und Investorenevents – sowie eigenen Bereichen für Unicorns, Scale-ups und KMU stärkt die GITEX AI EUROPE gezielt das europäische Innovationsökosystem.
Leitthema 2026 ist „Digital Sovereignty “: digitale Souveränität. Für Europa geht es dabei um nicht weniger als die Kontrolle über die eigene digitale Infrastruktur: Rund 91 Prozent aller Unternehmens-Workloads sollen bis 2028 in die Cloud migriert sein – doch globale Anbieter können Rechenzentren in Europa betreiben und gleichzeitig dem Recht ihres Herkunftslandes unterliegen. Souveränität entsteht deshalb nicht durch den Serverstandort allein, sondern durch Eigentümerschaft, offene Standards und technologische Kontrolle über den gesamten Cloud- und KI-Stack.
Das beigefügte redaktionelle Hintergrundpapier vertieft diese Debatte mit Einschätzungen von Dr. Andreas Nauerz (CPO, IONOS) und Richard Werner (Cybersecurity Platform Lead Europe, TrendAI/Trend Micro) und kann gerne für die Berichterstattung genutzt werden.
180 Millionen Euro für digitale Souveränität: Europa baut seine Cloud-Infrastruktur neu
Die Europäische Kommission prognostiziert, dass bis 2028 rund 91 Prozent aller Unternehmens-Workloads in die Cloud migriert sein werden – ein klares Zeichen, dass Europa bereit ist, diese Transformation im großen Maßstab umzusetzen. Die eigentliche Frage lautet dabei nicht, ob Unternehmen migrieren sollen, sondern wie sie dabei digitale Autonomie aufbauen und zu welchen Bedingungen. Genau diese Herausforderung bringt Cloud-Architekten, IT-Sicherheitsverantwortliche und Technologieeinkäufer bei der diesjährigen GITEX AI EUROPE in Berlin zusammen.
Die GITEX AI EUROPE findet vom 30. Juni bis 1. Juli 2026 auf dem Gelände der Messe Berlin statt. Die Veranstaltung vereint mehr als 800 Unternehmen und Start-ups, 500 Investoren und 120 Referentinnen und Referenten aus über 100 Ländern. Sie gehört damit zu den bedeutendsten internationalen Technologie-Events in Berlin.
Ausrichter ist inD, globaler Organisator der GITEX, der weltweit größten Technologie- und KI-Messe. Das Event wird unterstützt von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe sowie Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie. GITEX AI EUROPE findet zu einem entscheidenden Moment für Europas digitale Infrastrukturambitionen statt – Souveränität steht dabei im Mittelpunkt der wirtschafts- ordnungspolitischen Debatte.
Eigentümerschaft entscheidet – nicht der Serverstandort
Ein weit verbreiteter Irrtum lautet: Wer Daten auf einem Server in Europa speichert, ist automatisch durch europäisches Recht geschützt. Laut Dr. Andreas Nauerz, Chief Product Officer bei IONOS – einem der größten europäischen Cloud- und Hosting-Anbieter – hängt Cloud-Souveränität nicht allein vom physischen Standort eines Rechenzentrums ab. „Maßgeblich ist vielmehr, wo das Unternehmen seinen Hauptsitz hat. ”
Globale Anbieter können Rechenzentren in Europa betreiben und dennoch den Rechtsvorschriften ihres Herkunftslandes unterliegen – ein Konflikt mit der DSGVO, den keine vertragliche Regelung auflösen kann. „Souveränität geht über DSGVO-Konformität hinaus: Sie erfordert technologische Kontrolle über den Cloud-Stack, offene Standards und echte Interoperabilität “, betont Dr. Nauerz.
Am stärksten betroffen sind regulierte Branchen: Finanzdienstleister, die dem Digital Operational Resilience Act (DORA) unterliegen, sowie Unternehmen im Gesundheitswesen und Betreiber kritischer Infrastrukturen, die der NIS-2-Richtlinie (Network and Information Security) unterliegen – vor allem in Bereichen, in denen sensibles geistiges Eigentum oder staatsnahe Workloads verarbeitet werden.
IONOS wird auf der GITEX AI EUROPE souveräne Cloud-Infrastruktur- und KI-Lösungen auf rein europäischer Basis vorstellen – konzipiert für Skalierbarkeit, Datensicherheit und vollständige Datenkontrolle.
Wenn Cloud auf KI trifft
Die Debatte um Cloud-Souveränität gewinnt eine neue Dimension, sobald künstliche Intelligenz ins Spiel kommt. Im Mittelpunkt steht längst nicht mehr nur die Frage, wo Daten gespeichert werden, sondern auch, wo Modelle trainiert und wo Inferenz stattfindet.
Dr. Nauerz macht die Dringlichkeit deutlich: „Wenn sich KI-Inferenz auf nicht-europäischer Infrastruktur etabliert, bevor souveräne Rechenkapazitäten in ausreichendem Maßstab aufgebaut sind, geraten die KI-Strategien von Unternehmen in rechtliche Abhängigkeiten außerhalb Europas – und zwar unabhängig davon, wo die Daten liegen. Dieses Zeitfenster schließt sich schneller, als die meisten Cloud-Roadmaps einkalkulieren. “
Unternehmen, die souveräne Infrastruktur von Beginn an in ihre KI-Strategie integrieren, statt sie im Nachhinein einzubauen, sind klar im Vorteil, wenn KI zum Kern ihres Geschäfts wird. Diese Abfolge steht im Mittelpunkt der Produktpräsentationen auf der GITEX AI EUROPE 2026 .
Komplexität ist die neue Angriffsfläche
Richard Werner, Cybersecurity Platform Lead Europe bei TrendAI (einem Geschäftsbereich von Trend Micro), ergänzt eine weitere Perspektive. Aus rein technischer Sicht verändere die Rechtsordnung des Cloud-Anbieters die Natur von Cyberrisiken nicht grundlegend.
Während die Souveränitätsdebatte weiter an Fahrt gewinnt, haben sich viele Unternehmen für hybride Cloud-Architekturen entschieden, bei denen Workloads auf mehrere Anbieter verteilt sind. Dies ist ein nachvollziehbarer Schritt – und zugleich jener Bereich, in dem die häufigsten und folgenreichsten Sicherheitslücken entstehen, so Werner. „Hybride Cloud-Ansätze erhalten die Flexibilität, doch die damit verbundene Komplexität erzeugt häufig die häufigsten Sicherheitslücken: inkonsistentes Identitäts- und Zugriffsmanagement, Fehlkonfigurationen sowie fragmentierte Monitoring- und Incident-Response-Prozesse.“
Auf der GITEX AI EUROPE präsentiert Trend Micro seine KI-gestützte Cybersicherheitsplattform TrendAI Vision One: eine konsolidierte Lösung, die Cyber Risk Exposure Management, Security Operations und mehrstufigen Schutz in einer einzigen Plattform zusammenführt. Sie lässt sich an unterschiedliche Compliance- und regulatorische Anforderungen anpassen. Die flexible Bereitstellung für Public-Cloud‑, Sovereign-Cloud- und Air-Gapped-Umgebungen ist gezielt auf die heterogenen Infrastrukturen zugeschnitten, die europäische Unternehmen heute betreiben.
Souveränität wird zur Infrastrukturfrage: Schwerpunkt der GITEX AI EUROPE 2026
Europa hat das Thema digitale Souveränität jahrelang in politischen Debatten, Whitepapers und Strategiepapieren behandelt. Was sich jetzt verändert, ist der kommerzielle Handlungsdruck. Der im April 2026 bekanntgegebene Zuschlag für eine europäische Sovereign-Cloud-Ausschreibung im Volumen von 180 Millionen Euro treibt den Wandel spürbar voran. Sovereign Control entwickelt sich vom theoretischen Prinzip zur konkreten Beschaffungsentscheidung.
Unterstützt von der deutschen Bundesregierung, dem Europäischen Innovationsrat und der institutionellen Infrastruktur Berlins findet die GITEX AI EUROPE zu einem Zeitpunkt statt, an dem grundlegende Weichenstellungen für die digitale Selbstbestimmung Europas getroffen werden – mit Folgen, die weit über das aktuelle Geschäftsjahr hinausreichen.