China baut globale KI-Macht aus — Europa verliert

Chi­na hat im glob­alen Wet­tbe­werb um Kün­stliche Intel­li­genz bere­its maßge­bliche Ein­flusszo­nen geschaf­fen. Beson­ders deut­lich wird dies in Rus­s­land, Südostasien und Lateinameri­ka, zeigt eine neue Analyse der Friedrich-Nau­mann-Stiftung für die Freiheit.

Auf den Philip­pinen kom­men chi­ne­sis­che KI-Chat-Anbi­eter wie DeepSeek bere­its auf 47 Prozent Mark­tan­teil bei Android-Geräten, in Indone­sien und Peru auf 38 Prozent und in Mexiko auf 30 Prozent. In Rus­s­land und Belarus, wo US-Dien­ste wie Chat­G­PT nicht oder nur eingeschränkt ver­füg­bar sind, übertr­e­f­fen chi­ne­sis­che Apps die amerikanis­che Konkur­renz sogar.

Die Analyse von Tech­nolo­gie­ex­perte Dr. Valentin Weber für den Glob­al Inno­va­tion Hub der Nau­mann-Stiftung in Tai­wan basiert auf Down­loads aus­gewählter KI-Chat-Apps im Google Play Store. Europäis­che Anbi­eter spie­len in dem Wet­tren­nen dem­nach prak­tisch keine Rolle.

Mit der Ver­bre­itung chi­ne­sis­ch­er KI-Apps entste­hen neue strate­gis­che Abhängigkeit­en. Wer die meist­genutzten KI-Anwen­dun­gen in einem Markt kon­trol­liert, kann Ein­fluss auf Infor­ma­tion­szugänge, Daten­ströme und dig­i­tale Geschäft­sprozesse nehmen.

Stu­di­en­au­tor Weber ver­weist auf den Fall, dass das chi­ne­sis­che DeepSeek bei IT-Pro­jek­ten mit Tibet-Bezug fehler­haften Code erzeugt haben soll. Damit wird deut­lich, dass KI-Sys­teme poli­tis­che Vor­gaben nicht nur in Antworten wiedergeben kön­nen. Sie kön­nen sich auch auf tech­nis­che Ergeb­nisse, Soft­ware­funk­tio­nen und prak­tis­che Anwen­dun­gen auswirken. „Die Möglichkeit, durch KI-Apps Macht auszuüben, wird durch die Intrans­parenz der Chat­bots ver­stärkt. Diese sind wahre Black­box­es“, sagt Stu­di­en­au­tor Weber.

In absoluten Zahlen sind US-Anbi­eter wie Chat­G­PT, Gem­i­ni, Claude, Per­plex­i­ty, Grok und Meta AI mit ins­ge­samt 1,35 Mil­liar­den Down­loads noch weit in Führung. Chi­ne­sis­che Anbi­eter wie Dola, DeepSeek und Qwen erre­ichen aber bere­its 205,41 Mil­lio­nen Down­loads und holen schnell auf. Dola, der Chat­bot des Tik­Tok-Mut­terkonz­erns ByteDance, ist dabei beson­ders erfol­gre­ich. Mit 144 Mil­lio­nen Down­loads liegt Dola weit vor dem einst pop­ulären DeepSeek mit 58 Mil­lio­nen Downloads.

Der ras­ante Auf­stieg beruht wesentlich auf mas­siv­en Wer­bekam­pag­nen in sozialen Medi­en, unter anderem auf Tik­Tok, das eben­falls zu ByteDance gehört. Allein in Mexiko schal­tete das Unternehmen im Okto­ber 2025 über 400 ver­schiedene Anzeigen.

Die europäis­che App Vibe (zuvor bekan­nt als LeChat) von Mis­tral kommt dage­gen lediglich auf 1,26 Mil­lio­nen Down­loads und spielt inter­na­tion­al kaum eine Rolle.

Die Studie warnt Europa vor den Sicher­heit­srisiken chi­ne­sis­ch­er Open-Source-Mod­elle, auf denen Teile des europäis­chen und amerikanis­chen Start­up-Ökosys­tems auf­bauen. Sie emp­fiehlt der EU, Allianzen mit KI-Mit­telmächt­en wie Süd­ko­rea oder Kana­da zu schmieden, um Schwächen bei Fron­tier-Mod­ellen auszu­gle­ichen. Zudem sollte sich Europa auf das kom­mende Ren­nen um Embod­ied AI, also der AI für Robot­er und Maschi­nen, vor­bere­it­en: Dank sein­er Stärke in der Robotik ist der Kon­ti­nent hier bess­er posi­tion­iert als in früheren KI-Zyklen. Auch das App-Ökosys­tem zur Steuerung von Robot­ern und Geräten wird über Mark­tan­teile entscheiden.

Nicole Büt­tner, FDP-Vor­standsmit­glied und Tech-Unternehmerin, kom­men­tiert die FNF-Studie: „KI ist nicht nur Wirtschafts­fak­tor, son­dern ein poten­zielles Machtin­stru­ment. Europa muss jet­zt zeigen, dass es KI nicht nur reg­ulieren, son­dern auch erfol­gre­ich entwick­eln und skalieren kann. Wir brauchen eigene starke und trans­par­ente Anwen­dun­gen, ver­lässliche Allianzen und eine klare Strate­gie für die näch­ste Welle der KI.“

Dr. Valentin Weber ist Senior Research Fel­low bei der Deutschen Gesellschaft für Auswär­tige Poli­tik (DGAP). Derzeit leit­et er das vom Auswär­ti­gen Amt geförderte Pro­jekt „China’s AI Exports“. Zuvor leit­ete er das Pro­jekt „Norms

in Cyber­space“. Weber ist außer­dem Chi­na Fore­sight Asso­ciate bei LSE IDEAS, dem außen­poli­tis­chen Think­tank der Lon­don School of Eco­nom­ics and Polit­i­cal Science.

Der Glob­al Inno­va­tion Hub der FDP-nahen Friedrich-Nau­mann-Stiftung in Taipei analysiert die Wech­sel­wirkun­gen zwis­chen Poli­tik und Tech­nolo­gie. Ein Schw­er­punkt sein­er Arbeit liegt darauf, wie Demokra­tien sich im dig­i­tal­en Raum gegen autoritäre Sys­teme behaupten können.

Autor/ Kon­takt

Valentin Weber, Stu­di­en­au­tor
weber@dgap.org
+ 49 30 254 231 232
Fred­er­ic Spohr, Leit­er Glob­al Inno­va­tion Hub Tai­wan (Nau­mann-Stiftung)
frederic.spohr@freiheit.org
+ 49 177 690 1160