Drei Jahre ChatGPT: Zwei von drei nutzen KI-Anwendungen

Berlin, 26. Novem­ber 2025 – Drei Jahre nach dem Start von Chat­G­PT ist die Nutzung von gen­er­a­tiv­er Kün­stlich­er Intel­li­genz (KI) so selb­stver­ständlich wie nie zuvor. Fast zwei von drei Bundesbürger:innen (65 Prozent) haben KI bere­its aus­pro­biert oder nutzen sie regelmäßig. Das ist ein deut­lich­er Anstieg im Ver­gle­ich zum Vor­jahr mit 53 Prozent und 37 Prozent vor zwei Jahren. Beson­ders aus­geprägt ist die Nutzung bei jun­gen Men­schen: Gut neun von zehn (91 Prozent) der 16- bis 29-Jähri­gen ver­wen­den KI-Tools. Das ist ein Ergeb­nis der TÜV-KI-Studie 2025, für die das Mei­n­ungs­forschungsin­sti­tut For­sa im Auf­trag des TÜV-Ver­bands 1.005 Per­so­n­en ab 16 Jahren befragt hat. „Gen­er­a­tive KI ist inner­halb weniger Jahre für eine ganze Gen­er­a­tion zum fes­ten Bestandteil ihres All­t­ags gewor­den“, sagt Dr. Joachim Büh­ler, Geschäfts­führer des TÜV-Ver­bands. Laut Umfrage nutzen auch vier von fünf (80 Prozent) der 30- bis 49-Jähri­gen Chat­G­PT und Co, unter den 50- bis 64-Jähri­gen sind es 63 Prozent und in der Gen­er­a­tion 65-Plus 35 Prozent. „KI ist für viele Men­schen über­all und jed­erzeit ein Werkzeug für die unter­schiedlich­sten Auf­gaben“, sagt Büh­ler. „Doch die Sicher­heit­skul­tur hält mit dieser Entwick­lung nicht Schritt. Viele erken­nen den Unter­schied zwis­chen realen und KI-Inhal­ten kaum und unter­schätzen die Risiken von Deep­fakes und Daten­lecks. Wir müssen dafür sor­gen, dass zur bre­it­en Nutzung auch ein sicher­er und aufgek­lärter Umgang mit KI gehört.“

ChatGPT führt klar, andere KI-Anwendungen holen auf

Laut den Ergeb­nis­sen der Studie nutzt fast die Hälfte der Befragten (45 Prozent) KI täglich oder mehrmals pro Woche, 55 Prozent mehrmals pro Monat oder sel­tener. Das mit weit­em Abstand am häu­fig­sten genutzte KI-Tool ist Chat­G­PT, das 85 Prozent der KI-Nutzer:innen ver­wen­den. Google Gem­i­ni nutzen 33 Prozent und 14 Prozent die KI-Antworten in der Google Suche. Google hat­te erst kurz vor der Umfrage damit begonnen, seine Suchergeb­nisse mit ein­er „KI-Über­sicht“ zu ergänzen. Die Microsoft-Pro­duk­te Copi­lot und Bing Search, die auf Chat­G­PT basieren, nutzen 26 Prozent und 10 Prozent. Immer­hin jede:r fün­fte KI-Nutzer:in (20 Prozent) ver­wen­det für Über­set­zun­gen und Schreibar­beit­en das deutsche Tool DeepL. 18 Prozent nutzen Meta AI, das in Meta-Anwen­dun­gen wie What­sApp, Insta­gram und Face­book inte­gri­ert ist. Noch nicht so weit ver­bre­it­et sind Can­va AI (8 Prozent), Per­plex­i­ty (7 Prozent) und Deepseek (4 Prozent). Die europäis­che KI-Hoff­nung Le Chat des franzö­sis­chen Anbi­eters Mis­tral nutzen nur 1 Prozent. „Google macht mit sein­er KI-Suche gegenüber Chat­G­PT Boden gut und Microsoft bleibt mit Copi­lot im Ren­nen“, sagt Büh­ler. „Erfreulich aus deutsch­er Sicht ist, dass sich mit DeepL ein Start­up aus Köln in diesem dynamis­chen Markt behaupten kann.“ Bemerkenswert ist, dass gut jede:r zehnte KI-Anwender:in (11 Prozent) im pri­vat­en Bere­ich bere­its einen kostenpflichti­gen Account nutzt. Über berufs­be­zo­gene Pre­mi­um-Zugänge ver­fü­gen 31 Prozent der­jeni­gen, die KI für beru­fliche Zwecke nutzen. Diese Zahlungs­bere­itschaft unter­stre­icht nicht nur den Mehrw­ert für die Nutzer:innen, son­dern ist auch ein Hin­weis auf das ökonomis­che Poten­zial von KI.

KI im Alltag: Mehr Produktivität, weniger Unterhaltung

Auch bei den konkreten Anwen­dungs­feldern zeigt sich, wie tief gen­er­a­tive KI inzwis­chen in den All­t­ag inte­gri­ert ist. Am häu­fig­sten wird sie für Recherche und Infor­ma­tion­ssuche einge­set­zt. Rund zwei Drit­tel der Nutzer:innen ver­wen­den KI „sehr bzw. eher häu­fig“ dafür (72 Prozent). Texte ver­fassen oder opti­mieren gehört für viele eben­falls zum Stan­dard­reper­toire: 43 Prozent greifen regelmäßig darauf zurück. Rund ein Drit­tel nutzt KI für kreative Auf­gaben und Ideen­find­ung (38 Prozent) und jede:r Sech­ste arbeit­et mit KI an Bildern und Videos (16 Prozent). Die Gründe für diesen bre­it­en Ein­satz sind vielfältig: Mehr als die Hälfte der Befragten sieht KI als prak­tis­ches Hil­f­s­mit­tel, um pro­duk­tiv­er zu arbeit­en und sich weit­erzu­bilden (bei­des 61 Prozent). Ein inter­es­san­ter Trend zeigt sich beim Ein­satz „aus Spaß“ oder zu reinen Unter­hal­tungszweck­en. Während 2023 noch 52 Prozent KI zur Unter­hal­tung nutzten und 2024 noch 44 Prozent, sind es 2025 nur noch 29 Prozent. Die spielerische Nutzung nimmt damit Jahr für Jahr ab und KI wird zunehmend als funk­tionales Arbeits- und Lern­werkzeug verwendet.

Mensch – Maschine – Interaktion: Vom Arbeitswerkzeug bis zum guten Freund

Die TÜV-KI-Studie 2025 ist auch der Frage nachge­gan­gen, inwieweit KI-Nutzer:innen eine emo­tionale Bindung zu ver­schiede­nen KI-Tools oder ‑Chat­bots auf­bauen. 80 Prozent der Nutzer:innen sehen KI vor allem als Werkzeug, das ihnen konkrete Auf­gaben erle­ichtert und zu der sie keine emo­tionale Bindung haben. Aber gut jede:r vierte KI-Nutzer:in (27 Prozent) beschreibt die KI-Anwen­dung als einen klu­gen Coach, der beim Ler­nen oder Arbeit­en unter­stützt. Und 6 Prozent empfind­en KI sog­ar als guten Fre­und, dem sie per­sön­liche Gedanken oder Prob­leme anver­trauen. Roman­tis­che Gefüh­le spie­len, so die Umfrage, offen­bar keine Rolle. „Die Gren­zen zwis­chen maschinellen und men­schlichen Fähigkeit­en ver­schwim­men. Gut ein Drit­tel der Anwen­derin­nen und Anwen­der erleben KI oft emo­tionaler, als die rein funk­tionale Nutzung ver­muten lässt“, sagt Büh­ler. Dazu trage auch bei, dass viele Nutzer:innen mit ihrem Chat­bot sprechen. Zwar dominiert die Tex­teingabe per Tas­tatur, die 96 Prozent der KI-Nutzer:innen ver­wen­den. Doch viele wen­den sich zunehmend der Sprache zu: 38 Prozent greifen auf die Dik­tier­funk­tion zurück, bei der Fra­gen per Mikro­fon aufgenom­men und in Text umge­wan­delt wer­den. 33 Prozent führen sog­ar echte Sprach­di­aloge im soge­nan­nten Voice Mode, bei denen die KI auch mit gesproch­en­er Sprache antwortet. Ins­ge­samt ver­wen­det die Hälfte der Nutzen­den (50 Prozent) min­destens eine dieser bei­den For­men der Spracheingabe. Büh­ler: „Auch das Sprechen trägt dazu bei, der Kün­stlichen Intel­li­genz men­schliche Fähigkeit­en zuzuschreiben.“

Sorge vor Datenmissbrauch, Deepfakes und Falschinformationen

13 Prozent der Nutzer:innen haben schon per­sön­liche oder ver­trauliche Infor­ma­tio­nen wie Adressen, Gesund­heits­dat­en oder Pass­wörter in KI-Sys­teme eingegeben. Gle­ichzeit­ig äußern 50 Prozent Sorge vor Daten­miss­brauch oder Hack­ing. Immer mehr Men­schen haben Schwierigkeit­en, zu unter­schei­den, ob Texte, Bilder oder Videos authen­tisch sind oder kün­stlich erzeugt wur­den, zeigt die TÜV-KI-Studie: Jede:r Zweite hat KI-Inhalte bere­its für echt gehal­ten (51 Prozent). Beson­ders visuelle Deep­fakes begeg­nen den Nutzer:innen. Eben­falls jede:r Zweite (51 Prozent) ist online schon auf mit Hil­fe von KI verän­derte oder manip­ulierte Videos gestoßen, die reale Per­so­n­en zeigen. Eine große Mehrheit gibt an, dass es Kün­stliche Intel­li­genz bei dig­i­tal­en Inhal­ten zunehmend schwieriger macht, echte und manip­ulierte Erzeug­nisse zu unter­schei­den (91 Prozent). Viele gehen zudem davon aus, dass diese Entwick­lung die Ver­bre­itung von Desin­for­ma­tion deut­lich beschle­u­nigt (83 Prozent). „KI-gener­ierte Inhalte verän­dern die dig­i­tale Öffentlichkeit. Deep­fakes wer­den für viele Men­schen vom abstrak­ten Tech­nolo­gi­ethe­ma zum realen All­t­agsrisiko, weil sie kaum noch zu erken­nen sind“, sagt Büh­ler. „Falschin­for­ma­tio­nen sowie manip­ulierte Bilder und Videos bee­in­flussen die poli­tis­che Mei­n­ungs­bil­dung und set­zen demokratis­che Debat­ten unter Druck.“

Die Studie zeigt daher eine klare Erwartung­shal­tung gegenüber Poli­tik, Unternehmen und Plat­tform­be­treibern. 89 Prozent der Befragten fordern eine ein­deutige Kennze­ich­nung von KI-gener­ierten Inhal­ten, um Deep­fakes und Manip­u­la­tion bess­er erken­nen zu kön­nen. 83 Prozent hal­ten eine Reg­ulierung von KI generell für notwendig, und 80 Prozent sprechen sich für verpflich­t­ende Sicher­heit­sprü­fun­gen durch unab­hängige Stellen wie die TÜV-Organ­i­sa­tio­nen aus. Trotz dieses deut­lichen Regelungswun­sches ken­nen viele die in der EU geplanten Regeln kaum. Der EU AI Act, der in den kom­menden Jahren schrit­tweise für mehr Trans­parenz und Sicher­heit sor­gen soll, ist der Mehrheit der Bevölkerung weit­ge­hend unbekan­nt: Nur 32 Prozent haben über­haupt schon ein­mal von der KI-Verord­nung gehört. Der AI Act sieht unter anderem vor, dass Hochrisiko-KI-Sys­teme – zum Beispiel im Gesund­heits­bere­ich oder in kri­tis­chen Infra­struk­turen – beson­dere Sicher­heit­san­forderun­gen erfüllen müssen. Die TÜV-Unternehmen bere­it­en sich mit dem TÜV AI Lab auf diese Prüftätigkeit­en vor. Büh­ler: „Viele Men­schen erwarten, dass Staat und Tech­nolo­giean­bi­eter wirk­same Schutzmech­a­nis­men schaf­fen. Deshalb muss die Eini­gung zum europäis­chen AI Act jet­zt zügig in nationales Recht umge­set­zt wer­den.“ Der TÜV-Ver­band set­zt sich dafür ein, dass das nationale Umset­zungs­ge­setz die Grund­lage für ver­lässliche KI-Prü­fun­gen legt. Dafür braucht es eine Benen­nung unab­hängiger Prü­for­gan­i­sa­tio­nen durch die zuständi­gen Behör­den. Büh­ler: „Unternehmen und Prü­for­gan­i­sa­tio­nen brauchen Pla­nungs- und Rechtssicher­heit, um eine unbürokratis­che sowie inno­va­tions­fre­undliche Umset­zung des EU AI Acts zu ermöglichen und Ver­trauen in KI-Anwen­dun­gen zu stärken.“

Methodik-Hin­weis: Grund­lage der Angaben ist eine repräsen­ta­tive For­sa-Umfrage im Auf­trag des TÜV-Ver­bands unter 1.005 Per­so­n­en ab 16 Jahren. Die Umfrage wurde vom 20. bis 26. Okto­ber 2025 durchgeführt.

Als TÜV-Ver­band e.V. vertreten wir die poli­tis­chen Inter­essen der TÜV-Prü­for­gan­i­sa­tio­nen und fördern den fach­lichen Aus­tausch unser­er Mit­glieder. Wir set­zen uns für die tech­nis­che und dig­i­tale Sicher­heit sowie die Nach­haltigkeit von Fahrzeu­gen, Pro­duk­ten, Anla­gen und Dien­stleis­tun­gen ein. Grund­lage dafür sind all­ge­me­ingültige Stan­dards, unab­hängige Prü­fun­gen und qual­i­fizierte Weit­er­bil­dung. Unser Ziel ist es, das hohe Niveau der tech­nis­chen Sicher­heit zu wahren, Ver­trauen in die dig­i­tale Welt zu schaf­fen und unsere Lebens­grund­la­gen zu erhal­ten. Dafür sind wir im regelmäßi­gen Aus­tausch mit Poli­tik, Behör­den, Medi­en, Unternehmen und Verbraucher:innen.

Mau­rice Shahd

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