Kreislaufwirtschaft für flexible Materialien: EU-Projekt »FlexCycle« setzt auf KI und flexible Robotik

Das automa­tisierte Recy­cling von flex­i­blen Mate­ri­alien wie Tex­tilien, Kabeln und Brennstof­fzel­len­mem­bra­nen aus Bat­te­rien stellt die mod­erne Abfall­wirtschaft vor große Her­aus­forderun­gen. Das neue europäis­che Forschung­spro­jekt »Flex­Cy­cle« set­zt auf die Entwick­lung inno­v­a­tiv­er Robotik- und KI-Lösun­gen. Mit einem Bud­get von 7,5 Mil­lio­nen Euro und 12 Part­nern aus sechs Län­dern ver­fol­gt das Pro­jekt das Ziel, Recy­cling­prozesse für die Wiederver­w­er­tung flex­i­bler Mate­ri­alien indus­tri­etauglich zu machen. In den kom­menden vier Jahren sollen autonome Sys­teme entwick­elt wer­den, die in der Lage sind, kom­plexe Struk­turen wie Klei­dungsstücke, elek­trische Kabel und Bat­te­rien zu demon­tieren und wertvolle Kom­po­nen­ten zurückzugewinnen.

während das automa­tisierte Han­dling von star­ren Objek­ten in der Indus­trie bere­its weit fort­geschrit­ten ist, lassen sich weiche und ver­form­bare Mate­ri­alien auf­grund ihrer flex­i­blen Struk­tur nur schw­er mit herkömm­lichen Robot­ern ver­ar­beit­en. Flex­Cy­cle (Flex­i­ble Robot­ic Automa­tion Tech­niques for Soft Mate­ri­als Recy­cling) entwick­elt daher autonome Sys­teme, die in der Lage sind, flex­i­ble Struk­turen zu iden­ti­fizieren, zu hand­haben und zu demontieren.

Innovation für komplexe Materialstrukturen

Die entwick­el­ten Robot­er­w­erkzeuge und KI-Sys­teme lösen dabei für drei Anwen­dungs­bere­iche fol­gende spez­i­fis­che Herausforderungen:

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    Brennstof­fzellen: Die empfind­lichen Mem­bra­nen in Brennstof­fzellen sind flex­i­bel und enthal­ten gesund­heitss­chädliche Sub­stanzen, wodurch eine manuelle Hand­habung ein erhöht­es Gesund­heit­srisiko darstellt. Die Robot­er ermöglichen eine sichere Extrak­tion dieser Mem­bra­nen. Hier­bei liegt ein beson­der­er Fokus auf der Rück­gewin­nung edel­met­all­haltiger Katalysator­ma­te­ri­alien sowie der sicheren Kreis­lauf­führung von PFAS-halti­gen Materialien.
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    Tex­tilien: Die flex­i­ble und unvorherse­hbare Struk­tur von Klei­dungsstück­en erschw­ert die automa­tisierte Bear­beitung. Die KI-Sys­teme wer­den darauf trainiert, spez­i­fis­che Merk­male wie Nähte zu erken­nen, um Zube­hörteile wie Knöpfe und Reißver­schlüsse präzise zu ent­fer­nen und so die Stoffe für die Wiederver­wen­dung zurückzugewinnen.

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    Kabel: Kabel treten in der Entsorgung oft als ver­hed­derte Bün­del auf, was die gezielte Sortierung und Bear­beitung mas­siv erschw­ert. Die Robot­er müssen ler­nen, durch das Draht­gewirr zu navigieren, ein Zielk­a­bel zu isolieren und anschließend die Isolier­schicht­en automa­tisiert zu ent­fer­nen, um wertvolle Met­alle wie Kupfer effizient zurückzugewinnen.

Der Beitrag der Fraunhofer-Institute

Inner­halb des Kon­sor­tiums übernehmen die Fraun­hofer-Ein­rich­tung für Wert­stof­fkreis­läufe und Ressourcenstrate­gie IWKS und das Fraun­hofer-Insti­tut für Betrieb­s­fes­tigkeit und Sys­temzu­ver­läs­sigkeit LBF entschei­dende Rollen bei der Ver­w­er­tung tech­nis­ch­er Membranen:

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    Fraun­hofer IWKS: Die Experten aus Hanau und Alzenau konzen­tri­eren sich auf den Use-Case der PEM (Pro­ton Exchange Membrane)-Brennstoffzellen. Hier­bei wird die Exper­tise des Insti­tuts genutzt, um edel­met­all­haltige Katalysator­ma­te­ri­alien (wie Platin) hochef­fizient zurück­zugewin­nen. Ziel ist es, wertvolle Ressourcen im Kreis­lauf zu hal­ten und die Wirtschaftlichkeit der Brennstof­fzel­len­tech­nolo­gie zu steigern.

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    Das Fraun­hofer LBF wid­met sich der tech­nol­o­gisch anspruchsvollen Kreis­lauf­führung von flu­orhalti­gen Mem­bra­nen (PFAS) wie Nafion, einem per­flu­o­ri­erten Ionomer. Durch die Erforschung von Ver­fahren wie der chemis­chen Auflö­sung in speziellen Lösungsmit­tel­sys­te­men mit anschließen­dem „Recast­ing“ oder der Depoly­meri­sa­tion wer­den diese kri­tis­chen Stoffe nach­haltig ver­w­ertet, um ökol­o­gis­che Risiken und reg­u­la­torische Anforderun­gen zu adressieren.

Technologische Basis und Ausblick

Der tech­nol­o­gis­che Ansatz von Flex­Cy­cle basiert auf der Kom­bi­na­tion von flex­i­blen Robot­er­w­erkzeu­gen (End­ef­fek­toren) und KI-basiert­er Mod­el­lierung. Durch adap­tive Hard- und Soft­warekom­po­nen­ten sollen die entwick­el­ten Meth­o­d­en schnell auf ver­schiedene indus­trielle Sek­toren über­trag­bar sein. Im Laufe der vier­jähri­gen Pro­jek­t­laufzeit wer­den für alle drei Use-Cas­es Demon­stra­toren entwick­elt, die die Prax­is­tauglichkeit der Lösun­gen unter Beweis stellen sollen.

Das Projekt-Konsortium

Das Pro­jekt wird vom Isti­tu­to Ital­iano di Tec­nolo­gia (IIT) koor­diniert und im Rah­men des Pro­gramms „Hori­zon Europe“ gefördert. Zum Kon­sor­tium gehören neben den Fraun­hofer-Insti­tuten und dem IIT das Jožef Ste­fan Insti­tute, Georg August Uni­ver­sität Göt­tin­gen, Tech­nis­che Uni­ver­sität München, Vytau­tas-Mag­nus-Uni­ver­si­ty, qb robot­ics Srl, Elec­tro­cy­cling GmbH, Sym­bio SAS, OSIT Impre­sa S.p.A

Autor/ Kon­takt

Anke Zei­dler-Fin­sel, PR-Bera­terin (DAPR)
Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Fraun­hofer-Insti­tut für Betrieb­s­fes­tigkeit und Sys­temzu­ver­läs­sigkeit LBF
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