Künstliche Intelligenz: Vom Technologie-Hype zur strategischen Realität im Handel

Kün­stliche Intel­li­genz ist das Schlag­wort des Jahres, dabei ist sie im Han­del längst keine Neuheit mehr: Seit Jahren opti­mieren intel­li­gente Algo­rith­men Prog­nosen und Nach­schubprozesse, ent­las­ten Mitar­bei­t­ende im Kun­denser­vice und steuern per­son­al­isierte Dialoge mit Kun­den und Kundin­nen. Doch mit dem Siegeszug der gen­er­a­tiv­en KI hat das The­ma eine neue Dynamik gewon­nen. Dabei ist weniger die Tech­nolo­gie selb­st neu, son­dern die strate­gis­che Dimen­sion: Wie gelingt es Han­del­sun­ternehmen, Kün­stliche Intel­li­genz wirk­sam, nach­haltig und ganzheitlich in ihre Struk­turen einzubetten?

Vom Projekt zur Praxis

Die neue EHI-Studie „KI-Inte­gra­tion im Han­del“ zeigt, dass sich inzwis­chen nahezu alle großen Han­del­sun­ternehmen auf strate­gis­ch­er Ebene mit KI beschäfti­gen. Was vor weni­gen Jahren noch als Pilotver­such begann, ist heute Teil konkreter Trans­for­ma­tion­spro­jek­te. Den­noch bleibt die Umset­zung vielfach selek­tiv: KI wird punk­tuell einge­set­zt, aber nur sel­ten über­greifend ver­ankert. Doch unter anderem vor dem Hin­ter­grund des EU AI Act, der neue Anforderun­gen an Trans­parenz und Nachvol­lziehbarkeit for­muliert, wird klar, dass erfol­gre­iche KI-Inte­gra­tion weniger ein IT-Pro­jekt als vielmehr ein Trans­for­ma­tion­sprozess ist, der alle Ebe­nen betrifft.

67 Prozent der befragten KI-Ver­ant­wortlichen bew­erten ihre Daten­in­te­gra­tion als schlecht oder eher schlecht, nur 13 Prozent sehen sie als gut. Zwar liegen Dat­en in großer Menge vor, sie sind jedoch über ver­schiedene Sys­teme verteilt und häu­fig von unzure­ichen­der Qual­ität. Fehlende Schnittstellen und his­torisch gewach­sene IT-Land­schaften erschw­eren eine rei­bungslose Inte­gra­tion zusät­zlich. Diese struk­turellen Defizite wer­den durch unklare Zuständigkeit­en im Daten­man­age­ment ver­stärkt, denn vielerorts ist nicht ein­deutig geregelt, wer für Pflege, Qual­itätssicherung und Gov­er­nance ver­ant­wortlich ist. Entsprechend unzu­ver­läs­sig bleiben Prog­nosen und Anwen­dun­gen, wenn die Basis­dat­en inkon­sis­tent oder unvoll­ständig sind. Gle­ichzeit­ig zeigen erste Ini­tia­tiv­en wie der Auf­bau von Data Lakes oder zen­tralen Plat­tfor­men, dass gezielte Investi­tio­nen dur­chaus wirk­sam sein kön­nen – bis­lang ist das jedoch eher die Aus­nahme und kein Standard.

Preismanagement-Systeme

Deut­lich wird: Ohne klare Ver­ant­wortlichkeit­en, ein­heitliche Stan­dards und eine durch­dachte Daten­strate­gie lassen sich die Poten­ziale von KI nur eingeschränkt real­isieren. Die drei größten Hür­den sind dabei klar benan­nt: die all­ge­meine Ver­füg­barkeit der Dat­en, ihre tech­nis­che Inte­gra­tion in gewach­sene Sys­teme und die Sicherung ihrer Qual­ität und Nutzbarkeit. Erst wenn diese drei Dimen­sio­nen sys­tem­a­tisch adressiert wer­den, kann KI im Han­del ihre volle Wirkung entfalten.

Vor diesem Hin­ter­grund sind Preis­man­age­ment-Sys­teme ein auf­schlussre­ich­es Beispiel dafür, wie Tech­nolo­gie und Daten­strate­gie zusam­men­wirken müssen. Anbi­eter wie GK Soft­ware zeigen auf der EuroShop, wie präzise KI-gestützte Preisop­ti­mierung mit ein­er ver­lässlichen Date­nar­chitek­tur funk­tion­iert. „Entschei­dend bei der Date­nar­chitek­tur ist es, das richtige Maß zu find­en. Es gilt nicht unbe­d­ingt ‚the more, the mer­ri­er‘, viel entschei­den­der ist es, eine saubere, robuste und struk­turi­erte Daten­ba­sis zu schaf­fen, sodass die Pric­ing-Algo­rith­men opti­mal arbeit­en kön­nen“, sagt Sandy Preuß von GK Soft­ware. Beson­ders wichtig seien laut der Exper­tin in diesem Zusam­men­hang flex­i­ble Schnittstellen zu PIM, ERP oder Order-Man­age­ment-Sys­te­men sowie zu exter­nen Quellen wie Wet­tbe­werbs-Preis­dat­en. Solche Inte­gra­tio­nen ver­hin­dern manuelle Daten­si­los, erhöhen die Kon­sis­tenz der Inputs und machen automa­tis­che Entschei­dung­sprozesse erst belastbar.

Gle­ichzeit­ig adressieren hybride Anbindungsmod­elle und die Option, sen­si­ble Dat­en in europäis­chen oder geschützten Umge­bun­gen zu hal­ten, genau die in der Studie geäußerten Sor­gen um Kon­trol­lver­lust und Abhängigkeit­en von Hyper­scalern. Für Retail-Entschei­der und
-Entschei­derin­nen heißt das: Investi­tio­nen in Daten­pipelines, Gov­er­nance und Schnittstellen sind keine sekundäre IT-Auf­gabe, son­dern die strate­gis­che Voraus­set­zung dafür, dass KI-Anwen­dun­gen – etwa im Pric­ing – zuver­läs­sig und rechtssich­er wirken.

KI ist in alle EuroShop-Dimensionen eingezogen

Inzwis­chen prägt Kün­stliche Intel­li­genz nahezu alle The­mendi­men­sio­nen der EuroShop. Ins­beson­dere mit dem Aufkom­men gen­er­a­tiv­er KI hat sich ihr Ein­satz weit über klas­sis­che Bere­iche wie Replen­ish­ment, Pric­ing, Fore­cast­ing oder Inven­to­ry Man­age­ment hin­au­sen­twick­elt. Ob in der Laden­pla­nung, der Energie- und Gebäud­es­teuerung oder im Regal­man­age­ment: Über­all zeigt sich, wie Tech­nolo­gie, Daten­in­tel­li­genz und oper­a­tive Prax­is immer enger ver­schmelzen und den Han­del Schritt für Schritt intel­li­gen­ter und effizien­ter gestalten.

Kün­stliche Intel­li­genz kommt so beispiel­sweise bei der Gestal­tung und Sim­u­la­tion von Verkauf­s­räu­men zum Ein­satz. Mod­erne 3D-Pla­nungstools ermöglichen die virtuelle Nach­bil­dung und inter­ak­tive Verän­derung des realen Ladens: Regal­sys­teme, Dis­plays oder Beleuch­tungse­le­mente kön­nen per Drag-and-Drop in den Grun­driss einge­fügt wer­den und sind sofort als foto­re­al­is­tis­che 3D-Visu­al­isierung ver­füg­bar. So lassen sich Kun­den­laufwege, Sich­tach­sen und Licht­stim­mungen im Vor­feld opti­mieren. Beispiel­sweise stellt Umdasch Shop­fit­ting mit shop.up ein 3D-Pla­nung­spro­gramm bere­it, mit dem Händler ihre Store-Konzep­tion mith­il­fe von Aug­ment­ed Real­i­ty in Echtzeit in der realen Umge­bung anzeigen lassen und beispiel­sweise ver­schiedene Licht­szenar­ien an Testre­galen aus­pro­bieren kön­nen. Dank solch­er KI-gestützter Design-Tools lassen sich Entwurf­szyklen spür­bar verkürzen und das Laden­lay­out flex­i­bel anpassen.

Key Find­ings der Studie „KI-Inte­gra­tion im Handel“

  • Ver­ant­wortlichkeit­en sind etabliert: 100 Prozent der befragten Unternehmen haben klare Zuständigkeit­en für KI im Unternehmen benan­nt, 71 Prozent ver­fü­gen über spezial­isierte Teams.

  • Ear­ly Adopters bleiben die Aus­nahme: 16 Prozent der Befragten sehen sich als aktive Vorreiter.

  • Daten­in­te­gra­tion bleibt die Achilles­ferse: 67 Prozent bew­erten ihre aktuelle Daten­in­te­gra­tion als schlecht oder eher schlecht.

  • Sou­veränität rückt in den Fokus: 21 Prozent leg­en Wert darauf, sen­si­ble Dat­en auss­chließlich auf europäis­chen Servern zu verarbeiten.

  • Die Ergeb­nisse zeigen auch: Der tech­nol­o­gis­che Fortschritt allein reicht nicht aus. Maßge­bliche Treiber sind vielmehr Führungsstärke, klare Gov­er­nance, gezielte Qual­i­fizierung und die aktive Ein­bindung der Mitarbeitenden.

Für die aktuelle EHI-Studie „KI-Inte­gra­tion im Han­del“ wur­den 38 Inter­views mit KI-Ver­ant­wortlichen und IT-Leit­ern und ‑Lei­t­erin­nen in führen­den Han­del­sun­ternehmen im deutschsprachi­gen Raum (D‑A-CH) geführt. Ins­ge­samt ste­ht das Pan­el für rund 39.000 Fil­ialen. Mehr Infos: www.ehi.org

Die EuroShop 2026 ist für Fachbe­suchende von Son­ntag 22. Feb­ru­ar bis Don­ner­stag 26. Feb­ru­ar 2026, täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Mes­set­ick­ets gibt es nur online unter www.euroshop.de/1130. Die Tageskarte kostet bis 31.12.2026 nur 60 Euro statt 80 Euro, die 2‑Tageskarte 130 Euro und die Dauerkarte 180 Euro. Neben der Ausstel­lung mit rund 1.900 Ausstellern aus über 60 Natio­nen gibt es ein umfan­gre­ich­es Rah­men­pro­gramm mit sieben Stages, vie­len Son­der­flächen, Guid­ed Inno­va­tion Tours und Store Tours durch Düsseldorf.

Über die Autorin

Als Exper­tin für Retail Tech­nol­o­gy koor­diniert Imke Hahn Forschung­spro­jek­te und Arbeit­skreise im Forschungs­bere­ich IT des EHI Retail Insti­tute, darunter die Stu­di­en zu Tech­nolo­gie- und Check­out-Trends. Zudem organ­isiert sie im Rah­men der EuroShop und Euro­CIS den reta award, der jährlich inno­v­a­tive Tech­nolo­gielö­sun­gen im Han­del auszeichnet.

Pressekon­takt

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